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Auszüge aus dem philosophischen und theologischen Werk

Gott

Ja, es ist das beladenste aller Menschenworte. Keins ist so besudelt, so zerfetzt worden. Gerade deshalb darf ich darauf nicht verzichten. Die Geschlechter der Menschen haben die Last ihres geängstigten Lebens auf dieses Wort gewälzt und es zu Boden gedrückt; es liegt im Staub und trägt ihrer aller Last ... Wo fände ich ein Wort, das ihm gliche, um das Höchste zu bezeichnen! Nähme ich den reinsten, funkelndsten Begriff aus der innersten Schatzkammer der Philosophie, ich könnte darin doch nur ein unverbindliches Gedankenbild einfangen, nicht aber die Gegenwart dessen, den ich meine, dessen, den die Geschlechter der Menschen mit ihrem ungeheuren Leben und Sterben verehrt und erniedrigt haben. Ihm meine ich, ja, ihn, den die höllengepeinigten, himmelsstürmenden Geschlechter des Menschen meinen.
Wir müssen die achten, die es verpönen, weil sie sich gegen das Unrecht und den Unfug auflehnen, die sich so gern auf die Ermächtigung durch "Gott" berufen; aber wir dürfen es nicht preisgeben. Wie gut läßt es sich verstehen, daß manche vorschlagen, eine Zeit über "die letzten Dinge" zu schweigen, damit die mißbrauchten Worte erlöst werden! Aber so sind sie nicht zu erlösen. Wir können das Wort "Gott" nicht reinwaschen, und wir können es nicht ganzmachen; aber wir können es, befleckt und zerfetzt wie es ist, vom Boden erheben und aufrichten über einer Stunde großer Sorge.
(Begegnung)

Schöpfung

Wäre es möglich, daß einer von seiner Person solcherweise ein psychphysisches Inventar aufnähme, daß er sie in eine Summe von Eigenschaften auflöste, wäre es weiter möglich, daß er jede dieser Eigenschaften und all ihr Zusammentreten enstehungsgeschichtlich zurückverfolgte bis auf die primitivsten Lebewesen, - gelänge so eine lückenlose genetische Analyse dieses Individuums, seine Ableitung und Zurückführung,dann wäre die Person, dieses Einmalige, Unvergleichbare, Einzige, Angesicht dessengleichen nie gewesen ist, nie gehörte Stimme, nie gesehne Gebärde, dieser beseelte Leib unberührt übrig, ganz unabgeleitet, unableitbar, ganz da und nicht anders als da. Am Ende seiner vergeblichen Mühen sich noch einmal zur Frage nach dem Woher aufraffend, fände dieser Mensch sich in der letzten Besinnung vor als Geschöpf. Mit jeder Geburt tritt, weil jeder Mensch einzig ist, der erste Mensch in die Welt. Lebensmäßig, kindhaft, erfahren wir, daß Ursprung, daß Schöpfung ist.
(Der Mensch von heute und die jüdische Bibel)

Gottesfinsternis

Die Zeiten der großen Probe sind die der Gottesfinsternis.Wie wenn die Sonne sich verfinstert,und wüßte man nicht, daß sie da ist,würde man meinen, es gäbe sie nicht mehr,so ist es in solchen Zeiten.Das Antlitz Gottes ist uns verstellt,und es ist, als müßte die Welt erkalten,der es nicht mehr leuchtet.Aber die Wahrheit ist, daß gerade erst danndie große Umkehr möglich wird,die Gott von uns erwartet,damit die Erlösung, die er uns zudenkt,unsre eigene Erlösung werde.Wir nehmen ihn nicht mehr wahr,es ist finster und kalt,als ob es ihn nicht gäbe,es erscheint sinnlos, zu ihm umzukehren,der doch, wenn er da ist,sich gewiß nicht mit uns abgeben wird,es erscheint hoffnungslos zu ihm durchdringen zu wollen.Ungeheures muß in uns geschehen,damit wir die Bewegung vollziehen,Aber wenn das Ungeheure geschieht, ist es die große Umkehr, die Gott erwartet.Die Verzweiflung sprengt das Verlies der heimischen Kräfte. Die Quellen der Urtiefe brechen auf.
(Gog und Magog)

Sinn

Wo man um Ursprung und Ziel weiß,da gibt es kein Getriebe:man ist von einem Sinn getragen, den man nicht ersinnen könnte;aber man empfängt ihn nicht,um ihn zu formulieren,sondern um ihn zu leben;und gelebt wird erin der furchtbaren und herrlichenEntscheidungsfülle des Augenbicks.
(Der Mensch von heute und die jüdische Bibel)

Daß du Gott brauchst, mehr als alles, weißt du allzeit in deinem Herzen; aber nicht auch, daß Gott dich braucht, in der Fülle seiner Ewigkeit dich? Wie gäbe es den Menschen, wenn Gott ihn nicht brauchte, und wie gäbe es dich?Du brauchst Gott, um zu sein, und Gott braucht dich - zu eben dem, was der Sinn deines Lebens ist.
(Martin Buber in Ich und Du)

Alle Texte © Gütersloher Verlagshaus